Film-Tipp: Die (letzte) Reise

Wenn man 9.- oder 10.-Klässlern von einem Film aus dem Jahre 1972 erzählt, guckt man oft in erschrockene Gesichter. Immerhin waren selbst ihre Eltern damals häufig erst im Kindergarten. Der kroatische Kurzfilm „Putovanje“ (dt.: „Die Reise“) von Bogdan Žižić zeigt allerdings wie zeitlos der Umgang der Menschen mit dem Tod ist. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit ist eine wichtige Erfahrung im Leben eines Menschen, die alle Generationen vereint. So funktioniert er auch 40 Jahre später prima im RU. Die abstrakte und surreale Situation und der Verzicht auf verbale Äußerungen bieten eine wunderbare Diskussionsgrundlage für das Thema Tod.

Im Film fahren sieben fremde Menschen ahnungslos in einem Zug. Bei der regelmäßigen Durchfahrt durch einen Tunnel verschwindet eine Person. Als den übrig gebliebenen Passagieren ein Licht aufgeht, dass einer von ihnen der nächste sein könnte, zeigen sie unterschiedliche Reaktionen, die Ziel eines Beobachtungsauftrags im Unterricht sein könnten:

  • Der Jäger weint und hat Angst
  • Ein „Hippie“-Pärchen ist viel zu beschäftig mit Knutschen und ignoriert die drohende Gefahr (Hedonismus als Antwort auf die Kürze und scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens?)
  • Ein Mann sucht nach einem Ausweg, doch alle Türen und Fenster sind verschlossen, auch die Notbremse funktioniert nicht (Grenzen des Fortschritts: Kann die Medizin eines Tages unser Altern stoppen und wenn ja: Wollen wir das?)
  • Ein anderer Mann (mit Hut) verlacht die Reaktionen der anderen, bis sein Verschwinden unmittelbar bevorsteht (Ignoranz gegenüber dem Leid der anderen, Scheuklappenverhalten im gesellschaftlichen Miteinander)
  • Am unklarsten ist die Nonne, die unentwegt ihre Bibel studiert (findet sie Gelassenheit im christlichen Glauben oder klammert sie sich an die Bibel und spürt die gleichen Ängste, wie andere?)
  • Was ist mit der Frau, die zuerst verschwindet? Hat sie es besser, weil ihr Ende überraschend kam? (Häufigste Antwort heutzutage, auf die Frage, wie man sterben möchte: „Möglichst sanft einschlafen und nichts mitkriegen“)

Einen anderen Ansatz zur Diskussion bieten die persönlichen Gegenstände, die nach dem Verschwinden übrig bleiben: Was hinterlassen wir in dieser Welt, wenn wir sie verlassen? Oder andersherum: Was können wir nicht mitnehmen?

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CC BY-SA 4.0 Film-Tipp: Die (letzte) Reise von Frank Wessel ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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